LIVEBLOG: #IamWillie

von | Apr 7, 2017 | Politische Arbeit

Im Juli wurden in Kenia der IJM-Anwalt Willie Kimani, sein Klient Josephat Mwenda und deren Fahrer Joseph Muiruri entführt und ermordet. Menschen auf der ganzen Welt nahmen Anteil und forderten eine lückenlose Aufklärung des Falls und ein Ende widerrechtlicher Polizeigewalt in Kenia. Fünf Personen, darunter vier Polizisten, wurden im Zusammenhang mit den Morden festgenommen und angeklagt. Der Prozess begann am 7. November 2016 und wird nach einer Unterbrechung Anfang 2017 fortgeführt. In diesem Liveblog berichten wir regelmäßig über die Fortschritte der Verhandlungen.

Freitag, 7. April 2017

Nairobi, Kenia | Update IX

Was in dieser Woche geschah

Die Verhandlungen über den Mord an Willie, Joseph und Josephat wurden diese Woche unter dem Vorsitz der Richterin Jessie Lesit am Obersten Gerichtshof Milimani fortgeführt. Alle fünf Angeklagten verbleiben in Untersuchungshaft.

Vier Zeugen sagten diese Woche aus. Am Montag machten ein Polizeiobermeister und eine Zivilperson eine Aussage bezüglich der ersten Ermittlungsergebnisse. Am Dienstag identifizierte eine Frau das Auto von Joseph Muiruri, das nach der Entführung vor ihrem Haus stehen gelassen worden war. Als nächstes machte ein Polizist eine Aussage über die verdeckte Polizeieinheit, zu der die fünf Angeklagten gehörten, und bestätigte, dass einer von ihnen sein Funkgerät bei sich trug, als der Zeuge sie am 22. Juni an der Polizeistation abgesetzt hatte.

Die Verteidigung focht die Reihenfolge an, in der die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung im bisherigen Verlauf Zeugen vernommen hatten. Momentan stellen die Anwälte der Opfer und ihrer Familien ihre Fragen zuletzt, wie im Vorfeld vereinbart.

Wie geht es weiter

Die Richterin wies die Verteidigung an, einen formellen Antrag auf Änderung der Reihenfolge der Zeugenbefragung zu stellen. Die nächste Verhandlung ist am 24. April, bei der beide Parteien mündlich ihre Argumente vortragen können. Die Richterin wird dann über den Antrag der Verteidigung entscheiden und die nächsten Anhörungstermine festlegen.

 


 

Freitag, 31. März 2017

Nairobi, Kenia | Update VIII

Was in dieser Woche geschah

Am Montag dieser Woche gingen die Verhandlungen unter dem Vorsitz von Richterin Lesit weiter. Es sagten vier Zeugen aus, sodass die Gesamtzahl der aufgerufenen Zeugen nun bei 22 ist.

Der staatliche Pathologe Dr. Johansen Oduor wurde zur Todesursache der drei Mordopfer befragt. Er identifizierte Verletzungen, die auf heftige Gewaltanwendung hinwiesen, welche die Opfer vor ihrem Tod erlitten hatten. Er schlussfolgerte daraus, dass der Tod von Willie und Josephat durch stumpfe Gewalttraumata verursacht wurde. Der Tod von Joseph erfolgte laut dem Pathologen durch Strangulation und ebenfalls einem stumpfen Gewalttrauma am Kopf.

Es sagten zudem drei Polizeizeugen zu verschiedenen Aspekten des Falles aus. Der erste, ein Kriminalkommissar, bestätigte, dass einem Angeklagten ein spezielles Polizei-Funkgerät herausgegeben worden war.

Der zweite Zeuge war ein Wachtmeister auf dem Polizeilager, in dem Willie, Josephat und Joseph in einem Container festgehalten worden waren. Der Wachtmeister bestätigte, dass er in der Nacht des 23. Junis von einem der Angeklagten die Schlüssel zu dem Container erhalten hatte. Der Polizist sagte aus, dass der Angeklagte ihm mitteilte, dass sich keine Gefangenen in der Zelle befänden und diese daher nach der Schlüsselübergabe verschlossen blieb.

Der dritte Zeuge, ebenfalls ein Wachtmeister, befand sich am 23. Juni im Mavoko-Gerichtsgebäude, als Willie, Josephat und Joseph entführt worden waren. Er sagte aus, dass er dem Partner eines der Angeklagten, sein Handy für einen Anruf überlassen hatte.

Wie geht es weiter

Am 30. März wurde der Prozess vertagt und wird am 3. April mit der weiteren Zeugenbefragung durch die Staatsanwaltschaft wieder aufgenommen.

 


 

Freitag, 24. März 2017

Nairobi, Kenia | Update VII

Was in dieser Woche geschah

Am Mittwoch gingen die Verhandlungen unter dem Vorsitz von Richterin Lesit weiter. Vier Zeugen sagten aus und brachten damit die Gesamtzahl der aufgerufenen Zeugen auf 18. Es wurde emotional im Gerichtssaal, als die drei Familienmitglieder aussagten, die die Leichen von Willie, Joseph und Josephat identifiziert hatten.

Ein Polizist sagte aus, dass einer der Angeklagten ihn nach seiner Schicht am 23. Juni abgelöst hatte und bestätigte damit, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Morde im Syokimau-Lager im Dienst war.

Als der Prozess am Donnerstag weitergehen sollte, informierte einer der Angeklagten das Gericht darüber, dass er sich krank fühle und nicht in der Lage sei, weiter an der Verhandlung teilzunehmen. Die Richterin vertagte die Sitzung daher auf den 27. März, warnte den Verteidiger allerdings gleichzeitig davor, Krankheit vorzutäuschen.

In der letzten Woche hatte die Verteidigung darum gebeten, sieben Zeugen ein zweites Mal aufrufen zu dürfen. Richterin Lesit hatte entschieden, dass nur zwei der Zeugen nochmals aufgerufen werden dürfen, sofern die Anklage damit einverstanden sei. In dieser Woche zog die Verteidigung ihre Bitte zurück und erklärte, dass sie keinen der vorherigen Zeugen nochmals befragen wolle.

Wie geht es weiter

In der nächsten Woche sind für vier Tage Verhandlungen angesetzt; die erste für Montag, den 27. März.

Die Morde an Willie, Joseph und Josephat hatten in Kenia einen Aufschrei in der Bevölkerung ausgelöst. Missbräuchliche Gewalt durch die Polizei ist im Land weit verbreitet. Anwälte, Menschenrechtsorganisationen und viele Einzelpersonen fordern eine Kehrtwende im Polizeiapparat.

Wir bitten um Eure weitere Unterstützung in diesem Fall und für die Forderung nach einer Polizeireform in Kenia: www.IamWillie.co.ke.


Freitag, 17. März 2017

Nairobi, Kenia | Update VI

Die Verhandlungen gehen weiter

Die Verhandlung zu den Morden an Willie Kimani, Josephat Mwenda und Joseph Muiruri wurde im Februar unter dem Vorsitz von Richterin Lesit fortgeführt. Bisher wurden 14 Zeugen von der Anklage aufgerufen.

Unter diesen war ein forensischer Dokumentgutachter, der bestätigte, dass ein an die Ehefrau von Josephat Mwenda adressierter Notizzettel mit einem Hilferuf, tatsächlich der Handschrift von Willie Kimani entsprach. Weitere Zeugen berichteten, dass sie am Tatort Männer gesehen hatten, die mit der Beschreibung von drei der Angeklagten übereinstimmen.

Die Verteidigung bat darum, sieben der Zeugen für weitere Kreuzverhöre nochmals aufrufen zu dürfen. Die Anklage erhob Einspruch. Ein solches Vorgehen würde den Fortschritt des Falles unnötig verzögern und keine weiteren nützlichen Informationen erbringen. Das Gericht entschied, dass ein wiederholtes Aufrufen von allen sieben Zeugen nicht nötig sei. Lediglich die zwei Zivilisten, die die Notiz von Kimani erhalten hatten, könnten nochmal aufgerufen werden, wenn dies im Ermessen der Anklage läge. Der Fall wird weiterhin von den kenianischen Medien begleitet.

Wie es weitergeht

Die Anklage hat die Zahl der Zeugen, die sie aufrufen möchte, von 60 auf 36 reduziert. Es stehen also noch 22 Aussagen aus. Die nächsten Verhandlungen sind für den 22. und 23. März angesetzt. Als nächstes werden Familienmitglieder der Opfer gehört werden. Dann folgen die Beweisführung des Pathologen und Radiologen. Der Fall soll auch im April weitergehen.


Freitag, 10. Februar 2017

Nairobi, Kenia | Update V

Steht auf! – Für Willie, Joseph und Josephat

Genug ist genug! Gemeinsam mit ihren Kollegen und zahlreichen Kenianern fordert Wamaitha Kimani von IJM Kenia ein Ende von widerrechtlicher Polizeigewalt in Kenia. Im vergangenen Jahr wurde ihr Kollege Willie Kimani während seines Einsatzes für Gerechtigkeit von Polizisten ermordet. Ihr Aufruf gilt nicht nur Präsident Kenyatta.

Hier gehts zu ihrem Blogbeitrag.

Soundtrack einer Bewegung für Gerechtigkeit

Der kenianische Hiphop-Künstler Juliani schloss sich der Bewegung an, die sich in Kenia und weltweit für ein Ende der widerrechtlichen Polizeigewalt in Kenia einsetzt. Seine Gedanken zum gewaltsamen Tod von Menschenrechtsanwalt Willie Kimani, IJM-Klient Josephat Mwenda und dem Fahrer Joseph Muiruri verarbeitet er in seinem neuen Song, der in Kenia zum Soundtrack der Bewegung wurde.

Der Song steht hier zum Download bereit.

 

Machozi Ya Jana (Die Tränen von Gestern)

VON JULIANI

[Vers 1]
Inauma hii side ya left ya chest.
(Es schmerzt auf der linken Seite meiner Brust.)
Naomba boxes zingine za handkerchief.
(Bitte reich mir noch mehr Taschentücher.)
Machozi iligeuza mchanga matope, penye m’me rest
(Unsere Tränen haben die Erde zu Schlamm verwandelt, unter der ihr nun ruht.)
Hii si WhatsApp group unaeza rudi uki-left
(Das hier ist keine WhatsApp-Gruppe, der du wieder beitreten kannst, nachdem du sie einmal verlassen hast.)
Waliwakata mabawa, usifly again.
(Sie haben eure Flügel gestutzt. Ihr werdet nie wieder fliegen können.)
Clouds ni grey, nguo ni black, macho ni red. Colours za pain. 
(Grau sind die Wolken, wir tragen Schwarz, die Augen rot. Die Farben des Leids.)
It takes a long day kujua life ni short
(Um zu verstehen, dass das Leben kurz ist, braucht es einen langen Tag.)
Life haina remote unaeza fast forward ama u’rewind to a happier episode
(Im Leben gibt es keine Fernbedienung. Wir können nicht vorspulen oder zurückgehen zu glücklicheren Zeiten.)
Machozi ya jana haigandi
(Die Tränen von gestern sind nicht vergebens.)
Tutapanguza na furaha ya justice.
(Wir werden sie wegwischen, wenn wir die Gerechtigkeit feiern.)

 

 
[Chorus]
They took you away. Hatuko nawe. Lala, lala salama
(Sie brachten euch weg. Wir haben euch nicht mehr. Ruht in Frieden.)
Hatuko nawe. They took you away. Tutapatana. Machozi ya jana
(Wir sind nicht mehr bei euch. Sie haben euch fortgebracht. Doch wir werden uns wiedersehen. Es sind nur Tränen von Gestern.)

 

 
[Vers 2]
Nilijaribu ku’ji convince hauko huku juu ya mapenzi ya Mungu. 
(Ich wollte mich überzeugen, dass das hier nicht Gottes Wille ist.)
Ukweli ni roho ya statue ndani ya watu, sababu 
(Die Wahrheit ist: Schuld sind die kalten Herzen der Menschen, denn…)
Seriousness ya poisonous snake, tusiipuuze ka cuteness ya pet. 
(die Gefahr einer giftigen Schlange sollte man nicht mit einem niedlichen Haustier verwechseln.)
Kwa mkono mngekimbilia ndio mliangamia. 
(Diejenigen, die euch zur Hilfe hätten eilen sollen, haben euch den Tod gebracht.)
Hamku nuia mlo waliwaandalia. 
(Ihr konntet nicht wissen, was sie mit euch vorhaben.)
Sound ya glass za champagne, ikigonga cheers, impunity ikicelebrate. 
(Hört ihr das Anstoßen der Champagnergläser, sie feiern ihre Straffreiheit.)
Itatizwe na sauti ya nyundo kwa court, waki-face judgement. 
(Der Richterhammer wird sie unterbrechen, wenn sie ihr Urteil hören.)
Iwe funzo kwa wenye tabia kama hio. 
(Es wird eine Lektion sein für die anderen, die so sind wie sie.)
Mwizi wa uhai hukumu sio kuchunwa sikio. 
(Jemand, der Leben raubt, darf nicht mit einer Ohrfeige davonkommen.)
 
[Chorus]
[Bridge]
Ewe Mungu wajua njia zangu yatengeze. 
(Herr, du kennst meine Wege, ebne meinen Weg.)
Yale siwezi yasongeze. 
(Nimm weg, was ich nicht tragen kann.)
Wewe ndiye nguvu ya wanyonge.  
(Du bist die Stärke der Schwachen.)
Nalilia yatima, wajane kama Hannah, ma spouse. 
(Ich weine mit den Waisen und Witwen. Die Frauen sind wie Hannah.)
Damu crying for justice, ita-run ka maji kwa mfereji State House. 
(Ihr Blut wird als Schrei nach Gerechtigkeit aus den Wasserhähnen der Staatshäuser fließen.)
More than hash tags, placards. 
(Mehr als nur Hashtags und Werbebanner.)
Si waiter tu ndio waingie behind bars.  
(Nicht nur Kellner sollten hinter Gittern sitzen.)
Enough is Enough. 
(Genug ist genug.)
Ujuzi ya nurse haisaidii ndani ya hearse. 
(Das Können einer Krankenschwester ist im Leichenwagen nichts wert.)
Usiblame mguu for destination, ni kichwa iliipatia direction. 
(Hört auf, den Beinen die Schuld für das Ziel zu geben. Der Kopf gab die Richtung vor.)

Wir bitten um Eure weitere Unterstützung in diesem Fall und für die Forderung nach einer Polizeireform in Kenia: www.IamWillie.co.ke.


Freitag, 11. November 2016

Nairobi, Kenia | Update IV

Die ersten Zeugen

Der Tag begann mit dem Kreuzverhör des ersten Zeugen durch die Verteidigung. Die Zeugenaussage sollte die Umstände klarstellen, die zum Tod von Willie, Josephat und Joseph geführt hatten. Nachdem die Befragung beendet war, rief die Staatsanwaltschaft ihren zweiten Zeugen auf.

Um die Sicherheit der beiden Zeugen zu gewährleisten, setzte das Gericht verschiedene Sicherheitsmaßnahmen durch. So durfte der erste Zeuge weder fotografiert noch gefilmt werden. Für den zweiten Zeugen musste die Presse und Öffentlichkeit den Gerichtssaal räumen.

Anhaltender Aufschrei

Die Entführung und der brutale Mord an den drei Männern hatten Mitte des Jahres landesweit zu einem Aufschrei der Empörung und der Forderung einer Reform des Rechtssystems geführt. Weltweit beteiligten sich Zehntausende an der Forderung.

Mehr im Januar

Der Fall wurde nun vertagt und soll im Januar wiederaufgenommen werden. Wir werden dann den LIVEBLOG wieder regelmäßig aktualisieren.

Wir bitten um Eure weitere Unterstützung in diesem Fall und für die Forderung nach einer Polizeireform in Kenia: www.IamWillie.co.ke.


Donnerstag, 10. November 2016

Nairobi, Kenia | Update III

Angespannt und besorgt wartete eine Menschenmenge außerhalb des Obersten Gerichthofes in Nairobi auf den Beginn der Anhörung. In der Menge befanden sich auch einige Studenten, die an Kenias Universitäten Jura studieren und diesen brisanten Fall mitverfolgen wollten. Das Gerichtsgebäude war so voll, dass einige gebeten werden mussten, wieder zu gehen.

Der Prozessbeginn

Erneut war der Gerichtssaal gefüllt. Die Anwälte trugen ihre lila Schleifen und zugleich das allgemeine Gefühl der Besorgnis mit sich, ob wohl die Verhandlung ein weiteres Mal verschoben werden würde. Doch dann erschien der Anwalt der Verteidigung, Herr Ombeta, doch.

Die verantwortlichen Anwälte der Gerichtsverhandlung vor dem Beginn der Anhörung. Einige trugen lila Schleifen, um ihre Solidarität mit den Opfern auszudrücken. Herr Ombeta, der Anwalt der Verteidigung, steht in der Mitte rechts.

Ombeta entschuldigte sich beim Gericht für seine dreitägige Abwesenheit aus gesundheitlichen Gründen. Die Richterin akzeptierte die Entschuldigung, obwohl einige der Anwälte die Verzögerung der Verhandlungen für unangemessen hielten.

 

Die erste Zeugenaussage

Die Anhörung begann mit der Aussage des ersten Zeugen von IJM, der ungenannt bleiben möchte. Staatsanwalt Mutuka führte das Kreuzverhör. Die Verteidigung erhält am Freitag die Möglichkeit zur Befragung des Zeugen.

IJMs Forderung nach Gerechtigkeit im Juli:

„Heute werden nach dreiwöchigen Ermittlungen vier Beamte der Administrative Police wegen Mordes angeklagt. Dieser Fall ist einzigartig in der Geschichte Kenias und zeigt einen Meilenstein darin, dass sich die Polizei unseren Landes für ihr Tun verantworten muss. Wir glauben, dass noch mehr Personen in den Tod unserer Kollegen verwickelt sind. Daher bitten wir die Behörden, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um auch sie zur Verantwortung zu ziehen. Wir werden nicht aufhören, uns für die Armen und Schutzlosen Kenias einzusetzen, die Gewalt durch jene Beamte erfahren, die eigentlich für ihren Schutz sorgen sollen.“

– James Kironji, Leiter der Fallarbeit, IJM Kenia


Dienstag, 8. November 2016

Nairobi, Kenia | Update II

Déjà vu

Die Szene bei Gericht war heute ähnlich wie am Montag schon. Der Saal war gefüllt mit Menschen und die Anwälte standen entlang des Ganges und trugen ihre lila Schleifen. Genau wie am Tag vorher betraten die Angeklagten um 9:30 Uhr den Raum, nachdenklich und angeregt miteinander flüsternd. Und wieder begann die Verteidigung mit einer hitzigen Debatte um die Vertagung der Verhandlungen.

Bis Donnerstag

„Entgegen unserer Aufforderung hat die Verteidigung keine Dokumente vorgelegt, die nachweisen, dass Herr Ombeta sich im Krankenhaus in Behandlung befindet“, bemerkte Richterin Sitati und warf dem Hauptanwalt der Verteidigung vor, die Verhandlungen aufzuhalten. „Ich vertage die Anhörung auf Donnerstag und vertraue darauf, dass Herr Ombeta entweder selbst bei Gericht erscheint oder einen anderen Anwalt schickt. Wenn nicht, sehe ich mich gezwungen, den drei von Herrn Ombeta vertretenen Angeklagten einen neuen Anwalt zuzuweisen und disziplinarisch gegen ihn vorzugehen.“

„Es ist das Ziel von IJM, die Armen vor Gewalt zu schützen. Willies Leben wurde beendet, während er sich mutig für dieses Ziel eingesetzt hatte.“

– Gary Haugen, Gründer und CEO von IJM


Montag, 7. November 2016

Nairobi, Kenia | Update I

Antrag auf Vertagung

Es war ein heller und sonniger Morgen, als um 9:30 Uhr die fünf Angeklagten in den Gerichtssaal des Obersten Gerichtshofes Milimani gebracht wurden. Der Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Journalisten, Anwälten, Menschenrechtsaktivisten, IJM-Mitarbeitern, Verwandten und Freunden der drei Opfer. Einige der Anwälte trugen lila Schleifen, um ihre Solidarität und Unterstützung zu zeigen. Alle warteten auf den Beginn des lang erwarteten Prozess, der die Morde an Willie, Joseph und Josephat untersuchen sollte und für diesen Morgen angesetzt war.

Doch die Gerichtsverhandlung wurde mit einem Antrag auf Vertagung eröffnet. Ein Repräsentant der Verteidigung informierte das Gericht, dass der leitende Anwalt, Cliff Ombeta, aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Gericht erscheinen könne. Daher baten sie um eine dreitägige Vertagung. Die Vorsitzende des Gerichtes, Richterin Ruth Sitati, merkte die saloppe Art an, in welcher der Antrag vorgetragen wurde und entschied, dass die Anhörung am Folgetag fortgesetzt werden würde. Wenn Herr Ombeta nicht selbst in der Lage sei, solle er einen Vertreter schicken, so die Richterin.

Wie es weiter geht

Der Fall und die Umstände, unter denen die drei Männer den Tod gefunden hatten, erregten sowohl in Kenia als auch weltweit große Aufmerksamkeit in den Medien und der Öffentlichkeit. Nach den Verhandlungen in dieser Woche soll der Prozess in der Woche vom 9. bis zum 13. Januar 2017 fortgeführt werden.

Hintergrund

Am 23. Juni 2016 befanden sich IJM-Anwalt Willie Kimani, sein Klient Josephat Mwenda und ihr Fahrer Joseph Muiruri auf dem Rückweg von einer Gerichtsverhandlung, als sie von bewaffneten Männern entführt wurden. Der Familienvater Mwenda war Opfer falscher Anschuldigungen und massiver Polizeigewalt geworden und ging mit Menschenrechtsanwalt Kimani gerichtlich dagegen vor. Die Polizei startete eine großangelegte Suche. Acht Tage später konnten jedoch nur noch die Leichen von Kimani, Mwenda und Muiruri aus dem Ol-Donyo Sabuk Fluss in der Nähe Nairobis geborgen werden. Sie waren vor ihrem Tod gefoltert worden.

Zusammen mit vielen anderen Menschenrechtsorganisationen, Anwälten, Regierungsvertretern verschiedener Länder und vielen Einzelpersonen fordert IJM ein Ende widerrechtlicher Polizeigewalt in Kenia. Ein Bericht der kenianischen Regierung zeigt, dass die gemeldeten Straftaten, in denen Polizisten als Täter involviert waren, in 2015 um 34 Prozent angestiegen waren.  Das korrupte System hat dafür gesorgt, dass Kenias Gefängnisse überfüllt sind mit unschuldigen Männern und Frauen, die keinen Ausweg haben und keinen Anwalt, der sich für ihr Recht einsetzt – gleichzeitig wird die Polizei für ihren Machtmissbrauch nicht zur Verantwortung gezogen.

Im Laufe der Ermittlungen wurden vier Angehörige der Administrative Police sowie eine weitere Person für die Morde an den drei Männern festgenommen. Der Beginn des Prozesses wurde für den 7. November 2016 angesetzt.


Fordern Sie mit uns Gerechtigkeit für Willie, Josephat und Joseph und ein Ende der widerrechtlichen Polizeigewalt in Kenia!

#IamWillie


Mehr zur Arbeit von IJM Kenia


IJM tritt in Kenia seit 15 Jahren für Opfer von widerrechtlicher Polizeigewalt ein. Einer der Betroffenen vor einigen Jahren war Joseph Musyoko.

In diesem Video erzählt er seine Geschichte.


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