Wer sind die Täter?

von | Mai 5, 2017 | Wissen

In der Arbeit von IJM stehen die Betroffenen von Sklaverei und anderen Formen von Gewalt für uns an erster Stelle.Wir setzen uns für ihr Recht ein und sorgen dafür, dass sie ein neues Leben in Sicherheit, Würde und Freiheit beginnen können. Dazu gehört auch unser Einsatz für die Strafverfolgung der Täter. 

Wer sind die Täter, die Menschen verkaufen, prügeln und vergewaltigen? Was trieb sie zu den Straftaten an? Im Jahr 2009 befragte IJM in Kambodscha 57 Insassinnen eines Frauengefängnisses, die wegen Menschenhandel oder kommerzieller sexueller Ausbeutung von Frauen und Kindern einsaßen. Ihnen wurden Fragen zu ihrem Hintergrund, ihren Lebenserfahrungen und der Motivation zur Ausbeutung anderer gestellt. Die Ergebnisse trug das IJM-Team in der Studie „From Inside Prison Walls“ zusammen.

Einige davon haben wir hier für euch zusammengefasst:

 

Demographische Merkmale der Täterinnen

Jahre

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verheiratet

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haben Kinder

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Schulbildung von mehr als sechs Jahren


 

Schwierigkeiten in der Kindheit und in der Familie

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Tod eines Elternteils

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keine ausreichende Versorgung der Familie

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Erfahrungen häuslicher Gewalt

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Familie war verschuldet

Finanzielle Schwierigkeiten: Viele der Frauen sprachen von finanziellen Schwierigkeiten und begleitenden Umständen, die zu finanziellen Schwierigkeiten führten oder diese verschlimmerten. Oft war die Rede von zu wenig Essen, Familienmitgliedern, die abhängig von Alkohol waren oder Spielsucht hatten, Schulden, dem Tod eines Elternteils oder Partners, Scheidung, Krankheit und Entfremdung von der Familie.

Dysfunktionale Familien: Die Frauen erzählten außerdem von unglücklichen Familientreffen oder Zuständen, wie physischem, verbalem oder sexuellem Missbrauch, Untreue, Abhängigkeit oder der sexuellen Ausbeutung durch Familienmitglieder.


„Hat ein Mädchen im Sexhandel das Glück, dass sich jemand besonders für sie interessiert, dann wird es ihr etwas besser gehen als den anderen Mädchen. Solange sie durchhält, wird sie viele Kunden haben, die ihre Dienste in Anspruch nehmen. Aber wenn ihre Zeit vorbei ist, dann kümmert sich niemand mehr darum, sie da rauszuholen. Das ist das Leben eines Mädchens in einer solchen Bar. Wenn es noch eine Nachfrage nach dir gibt, dann kann es sein, dass dir ein Kunde bis zu tausend Dollar gibt. Wenn deine Zeit vorbei ist, dann bist du nichts mehr wert.“

– Insassin, die für den Sexverkauf von Minderjährigen verurteilt wurde. Bevor sie andere ausbeutete, war sie selbst Prostituierte.


Ursprüngliche Rolle in der kommerziellen Sexindustrie

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Opfer von Menschenhandel

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Prostituierte

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Ausbeutende

Missbrauch und Trauma: Einige der Frauen erzählten von schwerwiegenden Missbrauchsvorfällen und traumatischen Erlebnisse, die sie innerhalb der Sexindustrie als auch außerhalb erfahren hatten. Dazu gehören Vergewaltigung und unzählige Fälle von Gewalt und Trauma.

 

 


 

Wie die Frauen dazu gekommen waren, andere in der Sexindustrie auszubeuten

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durch ihre Tätigkeit als Prostituierte oder anderen Position in der kommerziellen Sexindustrie

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dadurch, dass sie in der Nähe von vielen Etablissements der Sexindustrie lebten

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wurden durch ein Opfer (z. B. eine Minderjährige) um Hilfe bei der Suche nach einem Job in der Sexindustrie gebeten

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wurden durch einen Nachbarn oder Familienangehörigen angeworben, der Ausbeutung anderer betrieb

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wurden von einer Prostituierten gebeten, ihre Arbeit zu managen

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wurden durch einen Fremden angeworben, der Ausbeutung anderer betrieb


„Meine Tochter verehrt mich. Sie liebt mich und ihre Großmutter sehr. Als sie sah, dass ich nicht genügend Geld hatte, um meiner kranken Mutter Medikamente zu kaufen, opferte sie sich selbst, indem sie ihre Jungfräulichkeit verkaufte. Für mich als ihrer Mutter war es sehr schmerzhaft, dass ich das zulassen musste. Auch wenn ich nicht gebildet bin, heißt das nicht, dass ich kein Mitgefühl mit meiner Tochter hatte – ich habe sie schließlich großgezogen. Aber wir hatten keine andere Wahl und mussten sie diese Arbeit machen lassen. Wir waren in einer furchtbar schwierigen Situation.“

– Insassin, die de Jungfräulichkeit ihrer Tochter verkaufte und dann junge Frauen in die Sexindustrie Malaysias verkaufte.


Die Forscher fragten die Frauen, warum sie sich an der Ausbeutung anderer beteiligt hatten. Dies sind die 10 häufigsten Antworten:

(1) “Das Mädchen oder ihre Eltern haben mich um Hilfe angefleht.”

(2) “Das Mädchen hat sich für die Arbeit freiwillig angeboten.”

(3) “Ich war vollkommen mittellos.”

(4) “Ich hatte keine andere Möglichkeit meinen Lebensunterhalt zu verdienen.”

(5) “Das Geld hat mich dazu verleitet. Und andere haben es auch getan, um Geld zu verdienen.”

(6) “Es schien mir ein einfacher Weg, um Geld zu verdienen.”

(7) “Ich half armen Menschen dabei, Geld zu verdienen.”

(8) “Ich wurde missbraucht. Jetzt missbrauche ich auch andere.”

(9) “Es war die Pflicht meiner Tochter, das zu tun.”

(10) “Das Mädchen hatte ihre Jungfräulichkeit sowieso schon verloren.”


„Für mich fühlt es sich so an, als ob das Recht nur für die Reichen da ist. Gerechtigkeit für die Armen gibt es nicht.“

– Insassin zu der Frage danach, wie das Rechtssystem Menschen schützen könne.

IJM in Kambodscha

Seit Anfang 2000 arbeitete IJM in drei Städten Kambodschas gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern. Gemeinsam mit der Polizei befreite unser Team Opfer und begleitete sie in einem umfassenden Nachsorgeprogramm zurück in ein sicheres und hoffnungsvolles Leben. Unsere Anwälte arbeiteten zusammen mit der Staatsanwaltschaft daran, dass die Täter strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurden. Durch Schulungen von Richtern, Staatsanwälten, Polizisten und Sozialarbeitern trugen wir dazu bei, dass die verschiedenen Beteiligten, effektiv an den Fällen zusammenarbeiteten.

In den drei Regionen konnte dadurch die Ausbeutung von Kindern in der Sexindustrie um 73 Prozent gesenkt werden.

Mehr Informationen unter: www.ijm-deutschland.de/Erfolg-in-Kambodscha 

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